Teil eines Werkes 
1. Band (1863)
Entstehung
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nicht, wie es ſtürmt, wenn ich den Fuß auf den Boden meiner Väter ſeze und mich beeile, Euch beide zu umarmen, deren Bilder mir über Land und Meer, durch Sturm und Windſtille folgen. Nun aber, nun, meine Ebba, laß' uns mit vollen Zügen die Seligkeit unſerer Wiedervereinigung genießen.

Der Kapitän ſchloß ſeine Gattin und ſeine Toch⸗ ter an die Bruſt und erhob ſich vom Tiſche.

In demſelben Augenblicke fuhr Ebba ſich mit der Hand an den Kopf und ſtammelte mit kaum hörbarer Stimme:

O Gott, ich ſterbe!

Ohnmächtig fiel ſie ihrem Gatten in die Arme⸗

Emy ſtürzte hinaus, um einen Arzt rufen zu laſſen, und ſuchte hernach verzweiflungsvoll, aber mit möglichſter Beſonnenheit die geliebte Mutter zum Bewußtſein zurückzurufen.

Ebba erwachte wirklich zum Leben, aber Beſin⸗ nung und Vernunft ſchienen entflohen zu ſein, denn ein heftiges Fieber, von Irrſinn begleitet, raste in ihren Adern.

Der Arzt kam und erklärte, Frau Kreuzer habe ſich eine heftige Erkältung zugezogen, welche ſich auf das Gehirn geworfen habe und wahrſcheinlich in ein Nervenfieber umſchlagen werde.

Tage kamen und Tage vergingen; die Maiſonne leuchtete noch immer gleich klar und herrlich; die Natur lächelte gleich freundlich; aber kein einziger Strahl der Hoffnung drang in Kreuzers Haus, wo er und Emy, mit Verzweiftung im Herzen und der verzehrenden Sorge im Auge, an Ebbas Kranken⸗ lager wachten.

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