Teil eines Werkes 
1. Band (1863)
Entstehung
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ſeinem reinen, unverfälſchten Glück mit ſeinem ſtummen ſtillen Schmerz und ſeiner verzehrenden Angſt. Es war als ob eine Stimme in meinem Innern mir zuflüſterte, daß ein ſolcher Rückblick noth⸗ wendig ſei, da meine Lebensbahn ſich ihrem Schluſſe zuneige. Sieh' nicht ſo bekümmert aus, mein Mäd⸗ chen, und laß mich Dir mein Herz eröffnen. Dieſe Ahnung kann ja nur eine Frucht meiner Einbildung ſein, aber es kann ihr auch eine Wahrheit zu Grunde liegen, und deßhalb laß uns dieſe Stunde benützen, um Vergangenheit und Zukunft in Erwägung zu

ziehen. Sieh' da, die lezten Strahlen der Sonne fallen auf dieſes Haupt; es iſt ein Abſchiedskuß, den der Tag Dir gibt; wer weiß, was der Morgen in ſeinem Schooße mit ſich bringt? Sieh', wie ſtill und heilig die Natur vor uns ausgebreitet liegt; ſie hält ihr Abendgebet, mein Kind.

Die Hände über dem Scheitel ihrer Tochter faltend, beugte ſie ſich zu ihr nieder und betete leiſe. Auch Emy's Lippen bewegten ſich zu einem ſtillen Gebet. Als ſie die geſenkten Häupter wieder emporrichteten, begegneten ſich ihre Blicke; und wenn Du jemals jenen Himmel reinen und unausſprechlichen Gefühls in eines Menſchen Augen geſehen, ſo lag er hier in dem Blicke, welchen Mutter und Tochter mit einan⸗ der wechſelten. Es lag ſo viel darin; es lag Alles darin, was das Herz von unbegrenzter und heiliger Zärtlichkeit zu empfinden vermag. Worte, und wä⸗ ren ſie noch ſo klar, könnten nur unvollkommen eine ſolche Sprache reden.

Sage mir, Emy, nahm die Mutter wieder das

Wort,findeſt Du, daß ich in all meinem Thun Dir