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eine liebevolle Mutter geweſen bin, die ihre Pflichten
getreulich erfüllt hat? Lege die Hand auf Dein
Herz und denke genau darüber nach, ehe Du eine
Antwort gibſt. Hat meine Liebe mich zu ſchwach zemacht, oder war ich nicht im Stande, ſo wie ich pollte, Dir zum Vorbilde zu dienen?“
Es lag etwas ſo Mildes, beinahe Demüthiges nihrer Stimme, daß ſie mit ihrem vibrirenden Ausdruck in alle Saiten des Herzens eingriff.
„Mutter, Mutter, wie kannſt Du nur ſo fra⸗
pen?“ rief Emy und warf ſich vor ihr auf die Kniee tieder.„Du, ſo trefflich, ſo liebreich, ſo erhaben, o mild, ſo engelrein— wie ſollteſt Du nicht alle
. Deine Pflichten erfüllt haben? Du biſt mir mehr
ils Mutter geweſen, Du biſt mir ein Schuzengel ge⸗
ſ veſen, von deſſen Lippen ich nur göttliche Lehren örte, und deren Thun mir ein beſtändiges Vorbild veiblicher Tugenden war. Vor meiner Seele wirſt du allezeit als ein Weſen daſtehen, zu dem ich nur
oll Bewunderung aufſchaue, und mein ganzes Le⸗
en ſoll ein unaufhörliches Beſtreben ſein, Dir gleich⸗
ukommen.“ Emy bedeckte ihrer Mutter Hände mit Küſſen
nd Thränen. „In dieſem Augenblick dünkt mir gleichwohl, ob ich in meiner Liebe zu Dir einſeitig geweſen äre, in Folge des Bedürfniſſes, welches mein Herz npfand, zu lieben und geliebt zu werden, habe ich elleicht allzu ausſchließlich Dich an mich gefeſſelt. ubiſt mir Alles geweſen, und ich habe auch aus r Dein Alles gemacht. Unſere Herzen haben verſchmolzen und folgen nun einem gemeinſamen


