Teil eines Werkes 
1. Band (1863)
Entstehung
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von Lebensfriſche, welcher den purpurrothen, ſchwel⸗ lenden Lippen, die einer blühenden Roſe glichen, etwas Bezauberndes verlieh, und der Ausdruck rings um dieſelben athmete Liebe, Ernſt und Entſchloſſen⸗ heit. Mitunter trümmten ſie ſich auch zu einem ſtol⸗ zen Lächeln, und es ſchien, daß über dieſelben nie⸗ mals ein unlauterer Gedanke oder ein leichtſinniges Wort gleiten könne, daß ſie vielmehr nur für Aeuße⸗ vungen der Liebe, Güte und Wahrheit geſchaffen ſeien. Die Geſichtsform war oval und hatte einen friſchen Farbenton.

Die feinen roſigen Wangen zeugten von einem Blut, welches bei jedem Sinneseindruck ſchnell durch die Adern eilte, doch mangelte dem Weſen des jungen Mädchens jene ſprühende Munterkeit, welche aus einem raſchen Blute entſpringt. Sie hatte vielmehr etwas Ruhiges und Stolzes in ihrem äußeren Be⸗ nehmen, Etwas, das deutlich bewies, daß ihre Ge⸗ fühle ihr allzu heilig waren, um ſie den Blicken Anderer preiszugeben.

In ihrer ganzen Art und Weiſe verkündigte ſich ein hoher Grad von Selbſtbeherrſchung, welcher auf den erſten Anblick ihr ein Ausſehen von Unzugäng⸗ ächkeit und Kälte gab; aber wie ſie jetzt, den Blick auf die Mut'*r gerichtet, da ſaß, war es, als ihre ganze Seele in den Augen läge, als o eder Gedanken ſich bſt in den Hintergrund ge⸗ rreten wäre, um nur der Liebe und Unruhe Platz u machen. Die reine leidenſchaftsloſe Zärtlichkeit des Kindes war in ihren Zügen zu leſen, und man onnte ſie um dieſes entzückenden Ausdrucks willen hne Widerrede ſchön heißen, als ſie ſo, eine