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es noch ſo ähnlich, bleibt doch nur ein todtes Bild von einem lebenden Weſen.
Se iſt es mit jeder Beſchreibung. Das kalte Wort vermag die von Leben, Gefühl und Begei⸗ ſterung erglühende Seele nicht wiederzugeben.
Das junge Mädchen war hoch gewachſen und von junoniſcher Geſtalt; ihr Bau war ſymmetriſch und ſo tadellos, als ob er aus eines Künſtlers Hand, nachdem derſelbe alles Schöne in der Form vereinigt hatte, um ein Ganzes daraus zu bilden, hervorge⸗ gangen wäre. Die Hände waren nicht klein, aber hübſch, Arme und Schultern blendend weiß und von ſeltener Schönheit. Der graciöſe, beinahe ſtolze Hals ſtüzte ein Haupt, welches durch ſeine phrenologiſch ſchöne Form einen klaren Verſtand im Verein mit ſittlicher Würde und mit Gefühl andeutete. Das von Natur wellenförmige dunkelbraune Haar war mit geſchmackvoller Einfachheit über der hohen, weißen Stirn, die es umſchloß, getheilt und ſiel von da in Locken auf den Hals hernieder.
Die Geſichtszüge waren nicht ſchön, aber zeichne⸗ ten ſich durch harmoniſche Reinheit aus. Die großen, tiefblauen und etwas hervorſtehenden Augen hatten einen ſo ſeelenvollen, offenen, klaren und zuverläſſi⸗ gen Ausdruck, daß man deutlich ein Herz darin las,
warm gleich der Sonne, rein gleich dem Himmel,
keuſch gleich der Morgenröthe; ein Gemüth offen
für alles Gute und Edle, eine jeder Begeiſterung
zugängliche Seele.
Die Naſe war gerade, aber ermangelte der fei-
nen Form, welche dazu gehört, um ihr den Namen ſchon geben zu können. Der Mund hatte einen Zug
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