217
ein einziges Wort von Madame Matthieu den Be⸗ trug hätte verrathen können, welchen ich begehen, mußte, um Euch zu retten.
„Ihr ſeid jetzt nicht einſam in einem fremden Lande und unter fremden Menſchen. Ihr habt an Eurer Seite ein Herz, welches nur für Euch ſchlägt,
und ich kann in dieſem Augenblick zu mir ſelber mit Stolz ſagen, daß ich alles zu thun geſucht habe, um Euer Leben erträglich zu machen, und daß ich dabei mich ſelber ganz außer Acht gelaſſen.— Das Einzige, was ich verlange, iſt, daß Ihr ohne Un⸗ willen denken möget an
Jerome Basſal.“
Ein Gefühl unbeſchreiblicher Bekümmerung er⸗ griff Sophiens Inneres beim Leſen dieſes Brieſes, in welchem ſich ſo viel Fürſorge und Güte offen⸗ barten. Sie empfand einen bitteren Schmerz beim Gedanken, daß dieſer Mann, welcher alles aus Mit⸗ leid that, gar keine Neigung für ſie hegte. „Warum ſo traurig?“ ſagte Julie und faßte die eine Hand Sophiens.„Mir ſcheint's, als wenn wir ſehr froh und dankbar gegen Gott ſein dürften, daß wir uns außerhalb der Grenzen Frankreichs an einem Ort befinden, wo man zu ſprechen und zu denken wagt.“
„Ach ja, Du haſt Recht, gute Julie, für wieviel haben wir nicht Gott zu danken; am meiſten indeſſen dafür, daß wir jetzt wieder einander haben!“
Sophie reichte ihrer alten Freundin die Hand. „Und darum fort mit aller Trauer!“ rief Julie fröhlich.„Ihr müßt wiſſen, daß ſeit Herr Mirabeau
——


