Teil eines Werkes 
1. Band (1863)
Entstehung
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todt iſt, habe ich mich nicht ſo frei und glücklich ge⸗ fühlt, wie in dieſem Augenblick. Von der Stunde an, wo ich genöthigt wurde, die Schwelle des Juden zu betreten, war es mir, als wären meine Lippen verſiegelt. Ich ſah ein, daß Schweigen das war, was ich zu thun hatte, und daß jeder Streit mit Demjenigen, welcher den Auftrag erhalten Euch zu beſchützen und für Euch zu ſorgen, unklug und un⸗ richtig ſein würde; aber es kam mir vor, als wenn meine ganze Bruſt aus einer einzigen Qual beſtände. Ich weinte und betete im Stillen, daß Gott uns nicht ſeine Hand entziehen möchte, obgleich wir mit Juden Umgang pflegten. Dieſelbe Unruhe, dieſelbe ſtille Angſt folgte mir zu Madame Morier. Jetzt erſt iſt es, als wenn ich mich ſelbſt und mein früheres fröhliches und munteres Gemüth wiedergefunden hätte. Gott und die heilige Jungfrau ſegne den Bürger Basſal, daß er uns unter chriſtliche Men⸗ ſchen gebracht, ſo daß...

Sophie legte ihre Hand auf ihrer Pflegerin Lip⸗ pen und unterbrach ſie, indem ſie ſagte:

„Chriſten oder Juden, wir ſind alle Gottes Kinder. Vor dem Höchſten gibt es keinen Unterſchied. Was uns beſonders betrifft, meine liebe Julie, ſo ſtehen wir in einer untilgbaren Schuld gerade an dieſe von Dir geriggeſchätzte jüdiſche Familie.“

„Sicherlich, ſicherlich“ murmelte Julie;„aber eine ſonderbare Idee war es von Mirabeau, Euch, ein Mädchen von vornehmer Herkunft, Judenhänden anzuvertrauen.“

„Wenn Du fortfährſt ſo zu ſprechen, werde ich betrübt,“ ſagte Sophie.—„Was weiß ich von meiner