Teil eines Werkes 
1. Band (1863)
Entstehung
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Hoffnungen, und ſie ließ ſich lediglich von dem Ge⸗ fühle der Nähe Gottes beherrſchen, welches durch eine ſolche Stunde unwillkürlich hervorgerufen werden mußte.

Wie ſchön und lehrreich war nicht die Schrift, welche vor ihr aufgeſchlagen lag, und welche doch nur ein Blatt in dem großen Buche der Natur aus⸗ machte, in jeder Zeile von welcher ſie Gottes Ge⸗ danken geoffenbart zu ſehen meinte.

Der letzte der Strahlen der Sonne fiel auf des jungen Weibes Haupt. Sie verbeugte demüthig ihren Scheitel, faltete die Hände und über das Lippen⸗Purpurbett ſchlich ſich ein warmes und in⸗ niges Gebet.

In der nächſten Minute war die Sonne ver⸗ ſchwunden.

Der Tag hatte der Nacht Platz gemacht, welche jetzt, mit dem Abend als Vorläufer, ihre ſtille Wan⸗ derung anfing, Mohnduft in ihren Fußſtapfen ſtreuend.

Ein leichter und kühler Weſtwind eilte durch das Laub, küßte die Blumen und kräuſelte die Waſſerfläche.

Die Vögel ſtimmten auch eine Abendhymne zum Lob der verſchwundenen Sonne an, und in der Ferne hörte man den Klang von Hirtengeſang und Kuh⸗ glocken.

Es war eine Idylle in der Natur.

Die Thüre zu dem kleinen, einfachen aber zier⸗ lichen Zimmer, in welchem das junge Weib ſich be⸗ fand, wurde geöffnet, und hereintrat ein hoher, ſtark⸗ gebauter Mann, mit dem Körper eines Nordländers

und den Geſichtszügen eines Sohnes des Südens.