192
ſelbſt betrachtete, ſo verminderte dies doch keines⸗ wegs den Werth von Sophiens Handlung in ſeinen Augen. Nein, er glaubte, daß er in Beziehung auf ſie ſich viel zu viel vorzuwerfen hatte, als daß er ſich nicht als den eigentlichen Urheber deſſen, was paſ⸗ ſirt, betrachten ſollte.
Flias dachte mit Beben an ihre Zukunft, und ſchauderte bei dem Gedanken, daß dieſer Jerome, welcher heute mächtig war, morgen ſelbſt als ein Opfer der Dictatur der Guillotine fallen könnte, und daß Sophie, nach dem Ausrottungsſyſtem jener Zeit, dann als ſeine Gattin ſein Schickſal würde theilen müſſen.
„Nun wohl,“ dachte Elias und faltete den Brief, den er die ganze Zeit angeſtarrt, zuſammen,— iſt es mein Egoismus, meine ungezügelte Leidenſchaft⸗
lichkeit, welche von Anfang an alle dieſe Gefahren
und all das Unglück hervorgerufen hat, ſo werde ich auch künftig gut zu machen ſuchen, was ich ver⸗ brochen, dadurch, daß ich deſto treuer über ihr Leben und Schickſal wache.“
Er wandte ſich an Jerome, der mit dem Kopf auf die Hand geſtützt in Gedanken verſunken war, welche, nach dem Ausdruck in ſeinen Zügen zu ur⸗ theilen, alles, nur nicht freudig und angenehm waren.
Wir haben einmal das Geſicht dieſes Mannes zu einem Bilde der großen Revolution geliehen, und thun dies noch einmal.
WMan las in den Zügen Jeromes jene Müdig⸗
keit, jenen Ueberdruß und jenes Entſetzen, welches das
unglückliche und blutende Frankreich zu erfaſſen an⸗ fing, und woraus eine Reaction beſtimmt hervor⸗ gehen mußte.


