Teil eines Werkes 
2. Band (1864)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

.

21

Harald ſuchte ihn zu beruhigen; aber es lag für Erlands Bewußtſein etwas ſo Demüthigendes in dem Gedanken, daß Calla, nach ſeinen Begriffen, kein ſeiner würdiger Gegenſtand ſei, daß er aus⸗ rief:

Suche nicht mich, ſuche nicht ſie zu entſchul⸗ digen. Bedenke, daß ſie mit einer Art Stolz zu mir ſagte: ſie habe in jener Schrift ihre innerſten Gedanken ausgeſprochen; daß ſie nur unter der Be⸗ dingung meine Gattin werden wolle, daß ſie von den häuslichen Pflichten einer Frau vollſtändig be⸗ freit werde; daß jeder von uns ſeine eigenen Zim⸗ mer haben und wir wie ein Paar Freunde zuſam⸗ menleben ſollten; daß die Haushaltung einer kun⸗ digen Perſon überlaſſen werden müſſe und daß ſie damit ebenſe wenig zu thun haben wolle wie ich. Sie würde ſelbſt die Ausgaben für ſich beſtreiten und der Eine brauchte dem Andern dafür keine Re⸗ chenſchaft abzulegen, wie viel oder wofür der An⸗ dere Depenſen mache. Sie ſolle mir keinen Gehor⸗ ſam und keine Rückſichten auf meine Anſichten ſchuldig ſein und in Allem, was ſie anginge, voll⸗ kommene Freiheit haben, zu thun und zu laſſen, wie ihr beliebte.

Erland ſchwieg und beugte wieder ſeinen Kopf.

Aber ſuchteſt Du ihr nicht zu beweiſen, daß die entzückende Verſchmelzung zweier lebenden We⸗

ſen, welche erſt durch die Liebe und dann durch das

gemeinſame Intereſſe entſteht und die Gatten ſo mächtig an einander feſſelt, daß ihre Meinungen und Sympathien zuletzt dieſelben werden dann ver⸗

ſchwinden müßte? Kurz, ſtellteſt Du ihr nicht vor,