Teil eines Werkes 
2. Band (1864)
Entstehung
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Erland, um Gotteswillen, was hat ſich zu⸗ getragen? fragte Harald.

Langſam ſagte Erland, als wenn jedes Wort ihn eine Anſtrengung gekoſtet:

Calla hat jene elende Schrift von der Eman⸗ cipation der Weiber verfaßt.

Nun!

Ein ſolches Weib habe ich geliebt! rief der junge Geiſtliche und verbarg ſein Geſicht in den Händen ich, der nach Vollkommenheit geſtrebt ich, der da glaubte, aus meinem Herzen jede ernie⸗ drigende Leidenſchaft verbannt zu haben ich, wel⸗ cher die Wirklichkeit beim Vergleich mit der ideellen Welt ſo gering ſchätzte ich, der ich glaubte ſo hoch über der Menge zu ſtehen ich habe dieſes Weib geliebt, deſſen Anſichten unſittlich, unmoraliſch und gottlos ſind ich habe es mit einer heftigen Leidenſchaft geliebt, die mich erniedrigt hat, weil es mich zur Falſchheit, zum Trug und zur Verſtellung verleitet hat. Ich habe mich durch dieſe elende Neigung von meinem hohen Standpunkt herabge⸗ ſtürzt und mein Herz mit Schwächen beſudelt, die meines Berufes unwürdig ſind. O Harald! es gibt keine Verachtung, die tief genug wäre einem ſo blinden Weſen gegenüber, wie ich es durch dieſe Liebe geworden bin.

Erland, der ſtolze Erland weinte weinte über ſich ſelbſt weinte, weil ſein geiſtlicher Hochmuth jetzt eine tödtliche Wunde erhalten weinte, weil ſein empfindliches Gewiſſen und überſpannte Begriffe von ſeinem Beruf ihn anklagten, ein gefallener und unwürdiger Pfarrer zu ſein.