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haſt, nicht nach Kollinge zu kommen, obgleich doch Papa und Göran Dich darum gebeten. Außerdem biſt Du ſeit drei Wochen mir ordentlich ausgewichen.
Calla ſuchte in den Ton die ganze frühere Un⸗ gezwungenheit hineinzulegen, aber es wollte ihr nicht gelingen, und eine feine Röthe verrieth, daß ſie trotz allen ihren Emancipationsideen doch alle jene reizen⸗ den Eigenſchaften eines ſchamhaften jungen Mädchens beibehielt. Calla ſelbſt hielt dieſe ſchamhafte Scheu für einen großen Fehler bei einer freien Perſon.
Meine Zeit iſt durch Geſchäfte und durch die Pflege Erlands in Anſpruch genommen geweſen, ſo daß ich keine Zeit gehabt habe, der freundlichen Ein⸗ ladung von Onkel Milner, nach Kollinge zu kommen, Folge zu leiſten.
— Dieſer Mangel an Zeit iſt wohl auch Schuld daran geweſen, daß Du mir ausgewichen biſt und wenn Du mich auf einem Wege kommen ſahſt, ſofort in einen andern einbogſt, um nicht aufgehalten zu werden.
Was Colla ſagte, war wahr, und deßhalb er⸗ röthete Harald als er ſcherzend antwortete:
— Ich wußte nicht, daß Du ſo eitel ſeieſt, daß Du Dich für die Urſache von dem hielteſt, was An⸗ dere thun.
— Harald, jetzt ſprichſt Du nicht die Wohrheit, — fiel Calla etwas lebhaft ein;— Du biſt mir ausgewichen, warum das leugnen? Oder haſt Du
eine ſo große Furcht davor, die Wahrheit zu geſtehen?
— Wahrhaftig, Calla, wenn ich weiß, warum
ich nothig haben ſllte, dieſelbe zu fünchten.
Schwartz, Die Emancipations⸗Manie. II. 2


