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die Feder weg. In ſeinen klaren, blauen Augen lag ein tiefer Ernſt.
Erlands bleiche Wangen bekamen eine lebhaftere Farbe. Harald fuhr fort:
— Um unſerem Verhältniß das Geſpannte und Gezwungene zu nehmen, iſt es wohl am beſten, daß ich Dich darüber aufkläre, daß Du in Deinen Fieber⸗ phantaſieen aufrichtiger geweſen biſt, als Du viel⸗ leicht gewollt.— Du haſt das verrathen, was Dein verſchloſſenes und ſtolzes Herz mir nie hat einge⸗ ſtehen wollen, nämlich daß Du Calla liebſt, und das nicht mit einem ruhigen und tiefen Gefühl, ſondern mit einer heftigen Leidenſchaft.
Du wirſt wohl finden, daß ich nach einer ſolchen Entdeckung nicht mehr mit Ehren fortfahren konnte Kollinge wie früher zu beſuchen.— Die Anhänglich⸗
keit an Dich und die Achtung vor mir ſelbſt mußten
mich davon abhalten.
Erland täuſchte ſich nicht, als er meinte, Haralds Stimme hätte einen Anſtrich von Bitterkeit. So ſehr Harald ſich auch Mühe gab, dieſes Gefühl aus ſeiner Bruſt zu verbannen, ſo überſchlich es ihn doch un⸗ willkürlich bei der Erinnerung daran, daß Erland, obgleich der Bruder ihm ſeine Neigung zu Calla ſo offen anvertraut und obgleich er ihr von ſeiner Liebe geſchrieben, es doch vor Harald geheim gehalten.
— Niemals habe ich an Deinem redlichen und treuen Herze gezweifelt, aber es würde mich tief ſchmerzen, wenn Du mir wegen meiner Zurückhaltung zürnteſt.
— Zürnen!


