125
geſiel den muhammedaniſchen Theologen ſo ſehr, daß er die Geiſtlichkeit der Moſchee zu dem Gutachten ver⸗ mochte, es ſey dem Geſetze gemaͤß den Franzoſen Tribut zu bezahlen, obſchon eine ſolche Lehre mit dem Koran in geradem Widerſpruche ſteht. In ſoweit waren Na⸗ poleons Maßregeln vernuͤnftig und zweckmaͤßig. Allein er erlaubte ſich auch einen Kunſtgriff, den wir nicht umhin koͤnnen, ruchlos zu nennen, der aber auch zu⸗ gleich etwas Laͤcherliches, und beinahe etwas Kindi⸗ ſches hatte,
Buonaparte kam auf den ſeltſamen Gedanken, die Moslems zu uͤberreden; daß er gewiſſermaßen ſelbſt zu ihrer Religion gehoͤre, indem er von Gott auf die Erde geſendet worden ſey, die Lehren des Korans und die Sendung Muhammed's nicht etwa aufzuheben, ſon⸗ dern zu beſtaͤtigen und zu ergaͤnzen. Zur Ausfuͤh⸗ rung dieſes Vorhabens bediente er ſich der ſchwuͤlſtigen Sprache des Orients, deren allegoriſcher und hoch⸗ trabender Styl ohnehin mit ſeiner Schreibart verwandt war; auch trug er kein Bedenken, die aͤußeren Cere⸗ monien der muhammedaniſchen Religion mitzumachen, damit ſeine Handlungen mit ſeinen Worten uͤberein⸗ ſtimmen moͤchten. Der franzoͤſiſche Obergeneral feierte das Jahresfeſt des Propheten mit einigen ausgezeich⸗ neten Sheiks, und nahm an der von dem Koran vor⸗ geſchriebenen Litaney und Gottesverehrung Theil. Er affektir ſogar die Sprache eines begeiſterten Anhaͤngers


