145 „zu meinem Witz noch meine Thorheit zu Huͤlfe zu rufen, um mein Brod zu verdienen, ich armes hülfo⸗ ſes Geſchoͤpf! Hoͤr' mich, ach hoͤre mich an, großer Sultan!“
„Nun, wenn Du Dich uͤber ein wirkliches Unrecht zu beklagen haſt, ſagte Saladin,„ſeyſt Du nun ein Thor oder ein Weiſer, Du haſt ein Recht, Gehoͤr von dem Koͤnige zu verlangen. Komm' mit herein;“ und er fuͤhrte ihn in das innere Zelt.
Worauf ſich auch immerhin ihre Unterredung bezie⸗ hen mochte, kurz, das Schmettern der Trompeten, wel⸗ ches die Ankunft der verſchiedenen chriſtlichen Fuͤrſten bezeichnete, machte ihr bald ein Ende, denn Saladin bewillkommte ſie in ſeinem Zelte mit einer koͤniglichen Hoͤflichkeit, die ſowohl ſeinem als ihrem Range ziemte; vorzuͤglich aber gruͤßte er den jungen Grafen von Hun⸗ tingdon, und wunſchte ihm großmuͤthigerweiſe zu den Ausſichten Gluͤck, mit denen er ſich ſelbſt geſchmei⸗ chelt, und von welchen ihn der Kronprinz verdraͤngt und verdunkelt hatte. 3
„Glaube aber nicht, edler Juͤngling,“ ſagte der Sultan,„daß der Prinz von Schottland dem Sala⸗ din willkommener iſt, als Kenneth dem einſamen Ilde⸗ rim, als ſie ſich in der Wuͤſte trafen, oder der ge⸗ beugte Aethiopier dem Hakem Adonbeck. Ein wackeres edelmuͤthiges Herz, wie das Deinige, hat einen Werth, der ungbhaͤngig iſt von Stand und Geburt; ſo wie der kuͤhle Trank, den ich Dir hier reiche, koſtlich iſt, aus irdenen Gefaͤßen, wie im Becher von Gold.“
Der Graf von Huntingdon antwortete geziemend, wobei er die vielen bedeutenden Dienſte anerkannte, welche er von dem großmuͤthigen Sultan empfangen hat⸗ te; aber als er dem Saladin mit einer Schaale Scher⸗ bet Beſcheid that, welche der Sultan ihm angeboten hatte, ſo konnte er ſich nicht enthalten, mit einem Laͤ⸗ cheln zu bemerken:„Der tapfere Ritter Ilderim kannte die Entſtehung des Eiſes nicht; aber der erlauchte Sul⸗ tan kuͤhlt ſeinen Scherbet mit Schnee.“
W. Scott's Werke IX.. 10


