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Geliebten Dich lnicht ungerecht gegen deinen Oheim machen, der ungeachtet aller Deiner Eigenheiten Deinen Ruf ſo hoch wie den irgend eines Menſchen hält.“
„Die Abweſenheit meines Liebhabers?“ ſagte Lady Editha.„Doch ja— nenne ihn immerhin mei⸗ nen Geliehten, da er den Ditel ſo theuer zahlen mußte. Wie unwürdig ich auch einer ſolchen Ehre ſey, ſo diente ich ihm doch zum Licht, das ihm vorleuchtete auf dem edlen Pfad des Ritterthums; aber daß ich meinen Rang vergeſſen, oder daß er den ſeinigen außer Acht gelaſſen. das iſt unwahr und wenn ſelbſt ein König es ſpricht.“
„Meine theure Nichte,“ ſagte Richard,„lege mir keine Worte in den Mund, die ich nicht geſprochen habe. Ich ſage nicht, daß Du dieſem Manne holder geweſen biſt als ein guter Ritter, wie niedrig er auch ſtehe, es von ſeiner Dame, und waͤre ſie eine Prinzeſſin, erwarten kann. Aber, bei unſerer lieben Frau, ich verſtehe das Liebesſpiel ein wenig— es fängt mit ſtiller Ehrfurcht und entfernter Hochachtung an; aber wenn die Gelegen⸗ heit ſich darbietet, nimmt die Vertraulichkeit zu und ſo— aber was nützt es mit jemanden zu plaudern der ſich für vernünftiger hält als alle Welt.“
„Gerne höre ich auf den Rath meines Verwandten,“ ſagte Editha,„wenn er von der Art iſt, daß er weder meinen Rang noch meinen Character beleidigt.“
„Könige, meine ſchöne Nichte, rathen nicht, ſon⸗ dern ſie befehlen,“ ſagte Richard.
„Sultane befehlen, das iſt wahr,“ ſagte Editha, „aber weil ſie Sklaven zu beherrſchen haben.“
„Ach geh, du wirſt noch deinen Haß gegen die Sul⸗ tanſchaft verlieren, wenn du einen Schottländer ſo höch haliſt,“ ſagte der König.„Ich glaube, Saladin iſt ſeinem Worte getreu, getreuer als William von Schottland, den man doch den Löwen nennen ſoll, obzwar er verrä⸗ theriſch gegen mich gehandelt hat, indem er mir die ver⸗ ſprochenen Hülfstruppen nicht ſandte. Höre,„Editha, wir erleben es noch, daß du einen treuen Türken ei⸗ nem falſchen Schottländer vorziehen wirſt.“


