126
aus der kränkenden Bemerkung, daß ſie weniger uͤber ihren Gemahl vermöge, als ſie erwartet hatie.
Der gute König Richard war in nicht geringer Ver⸗ legenheit. Vergebens verſuchte er Vernunftgründe ge⸗
een eine Perſon vorzubringen, welche ihre eiferſüchtige uneigung unfaͤhig machte, auf dieſelben zu hören. Auch vermochte er es nicht über ſich, in befehlendem Tone mit einem Geſchöpſe zu ſprechen, das mitten in ſeinem ungerechten Mißvergnuͤgen ſo reizend war. Er konnte daber blos vertheidigungsweiſe zu Werke gehen, und ſuchte ihren Argwohn zu beſchwichtigen, und ihre üble Laune zu beſänftigen. Er führte ihr auch zu Ge⸗ müthe, daß ſie nicht nöͤthig habe, mit Reue oder über⸗ naturlicher Furcht auf das Vergangene zurückzublicken, da Sir Kenneth noch lebe, und dem großen arabiſchen Arzte übergeben worden ſey, der ihm ohne Zweifel am beſten das Leben zu erhalten wiſſen werde, allein dieß ſchien der härteſte Schlag fuͤr die Königin zu ſeyn; denn ihr Kummer erneuerte ſich bei dem Gedanken, daß ein Saracene— ein Arit— ein Geſchenk erhalten habe, um das ſie ihren Gatten mit bloſem Haupte und auf den Knien vergebens angefleht hatte. Bei dieſer neuen Anklage ermattete Richards Geduld, und er ſagte in einem ernſten Tone,„Berengaria, der Arzt rettete mein Leben; wenn es in Euren Augen einen Werth hat, ſo werdet Ihr ihn auch um eine höhere Belohnung nicht beneiden, als die Einzige, zu deren Annahme ich ihn bewegen konnte.“
„Mein Richard,“ ſagte die Königin,„warum brachtet Ihr jenen Weiſen nicht zu mir, damit Englands Königin hätte zeigen können, wie ſehr ſie den ſchätze, der die Leuchte der Ritterſchaft, den Ruhm Englands und das Licht des Lebens und der Hoffnung der arnen Berengaria vom Untergange retten konnte?“
Mit einem Wort, der eheliche Zwiſt endete ſich; allein damit die Gerechtigkeit nicht leer ausgehen möchte, ſo wurde beſchloſſen, das ganze Vergehen dem Geſchäfts⸗ träger Nebectamus zur Laſt zu legen. Er wurde daher,


