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wie ſie wohl wußte, in den Augen des Königs am er⸗ ſten Verzeihung erhalten werde. In der That, R⸗ chard war ein verliebter, faſt welberſuͤchtiger Gatte. Der erſte Ausbruch ſeiner Wuth war längſt vorüber, und er war jetzt nicht geneigt, ſtrenge zu ahnden, was nun nicht mehr geändert werden konnte. Die ſchlaue Lady Caliſta, die von ihrer Kindheit an gewohnt war, Hofintriguen zu ergründen, und die Aeuſſerungen der Geſinnung eines Fürſten zu belauern, flog mit der Schnelle eines Kibitz zur Königin zurück, und meldete ihr, daß ſie augenblicklich einen Beſuch vom Könige zu erwarten habe. Dieſer Nachricht fügte die Kam⸗ merfrau eine Erläuterung bey, die auf ihre eigene Be⸗ obachtung gegründet war, und zeigen ſollte, daß Ri⸗ chard nur ſo viel Strenge anzuwenden im Sinne habe, als nöthig ſey, um ſeine königliche Gemahlin zur Be⸗ reuung ihres Einfalls zu vermögen, und dann auf fie und alle Betheiligte ſeine gnädige Verzeihung ausdeh⸗ nen werde. 3
„Bläst der Wind aus dieſer Gegend, Mädchen,“ ſagte die Königin, ſehr erfreut durch dieſe Mitthei⸗ lung;„glaube mir, ein ſo großer Feldherr Richard auch iſt, ſo wird er es doch ſchwer finden, uns in dieſer Sache zu überliſten; denn wie die pyrenaͤiſchen Schafer in meinem Geburtsland Navarra zu ſagen pflegen, mancher kommt um Wolle zu holen und wird ſelbſt geſchoren.“ 3
Nachdem die königliche Berengaria alle Erkundi⸗ gungen eingezogen hatte, welche Caliſta mittheihen konnte, ſo hüllte ſie ſich in ihre anſtändigſten Gewän⸗ der, und erwartete zuverſichtlich die Ankunft des hel⸗ denmüthigen Richard. 3
Er kam an, und fand ſich in der Lage eines Fürſten, der in eine Provinz tritt, die ſich gegen ihn vergangen hat. Er glaubt zuverſichtlich, ſein einziges Geſchäft werde darin beſtehen, Verweiſe zu ertheilen, und Unterwürfigkeitsbezeugungen zu empfangen; da⸗ gegen aber findet er das Land zu ſeinem großen Erſtau⸗


