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23 tung und den Haß aller Andern zugezogen hatte. Die Gemuͤthsſtaͤrke des Ritters wich einem Ausbruche verzagenden Kummers; er ſeufzte und weinte laut.
Waͤhrend er ſo ſeiner Traurigkeit nachhing⸗ ſprach eine helle und feierliche Stimme, dicht neben ihm, folgende Worte in dem wohlklingenden Tone der Vorleſer der Moſchee, und in der lingua franca, die von Chriſten und Saracenen gegenſeitig verſtan⸗ den wurde:—
„Truͤbſal gleicht der Periode des fruͤhen und ſpaͤten Regens,— kalt, unerquickend und unfreundlich fuͤr Thier und Menſch; doch kommt davon die Bluͤthe und die Frucht, die Dattel, die Roſe und der Gra⸗ natapfel.“ 8
Ritter Kenneth vom Leoparden wandte ſich nach dem Sprechenden um, und erblickte den arabiſchen Arzt, der ſich ihm ungehoͤrt genaͤhert, und ein we⸗ nig hinter ihm mit gekreuzten Beinen niedergeſetzt hatte, und nun mit Wuͤrde, jedoch aber nicht ohne einen gewiſſen mitleidigen Ton, die moraliſchen Troſtſprüche vortrug, die ihm der Koran und ſeine Ausleger darboten; denn in dem Oſten herrſcht die Meinung, daß Weisheit nicht in einer Entwicklung der eigenen Schoͤpferkraft des Weiſen beſteht, ſon⸗ dern in ſeinem fertigen Gedaͤchtniſſe und in einer gluͤck⸗ lichen Anwendung deſſen, was geſchrieben ſteht.
Beſchaͤmt, daß er uͤber einem weibiſchen Aus⸗ bruche des Kummers uͤberraſcht worden war, hemmte


