24 Sir Kenneth unwillig den Lauf ſeiner Thraͤnen, und beſchaͤftigte ſich wieder mit ſeinem ſterbenden Lieblinge.
„Der Dichter hat geſagt,“ fuhr der Araber fort, ohne auf die abgewendeten Blicke des Ritters und ſei⸗ ne truͤbe Stimmung zu merken.—„Der Ochſe fuͤr's Feld und das Kameel fuͤr die Wuͤſte. Waͤre nicht die Hand des Arztes geeigneter, als die des Krie⸗ gers, Wunden zu heilen, obſchon ſie minder faͤhig iſt, ſie beyzubringen?
„Dieſem Patienten, Hakim, kann deine Kunſt nichts nuͤtzen,“ ſagte Sir Kenneth;„und zudem iſt er nach deinem Geſetze ein unreines Thier.“
„Wo Allah Leben und ein Gefuͤhl fuͤr Schmerz und Freude zu gewaͤhren gewuͤrdigt hat,“ ſagte der Arzt,„da waͤre es ſtraͤflicher Stolz, wenn der Weiſe, den er erleuchtet hat, ſich weigern wollte, ein, Daſeyn zu verlaͤngern, oder Todtesqualen zu mildern. Laßt mich dieſes verwundete Thier unter⸗ ſuchen.“
Sir Kenneth willigte ſtillſchweigend ein, und der Arzt beſichtigte und behandelte Roswals Wunde ſo ſorgfaͤltig und aufmerkſam, als ob er es mit ei⸗ nem menſchlichen Weſen zu thun gehabt haͤtte. Dann nahm er ein Inſtrumenten⸗Beſteck zur Hand, zog durch die verſtaͤndige und geſchickte Anwendung der Zange das Bruchſtuͤck der Waffe aus der verwunde⸗ ten Schulter, und hemmte durch blutſtillende Mittel und verband die Blutvergießung, die darauf folgte.


