3 134 ſagte der Zwerg,„und ohne den Verluſt von ſo viel
Zeit, als durch zehen Koͤrner der Sanduhr angezeigt
wird.— Hoͤre Du, kaltſinniger, und argwohniſcher Ritter; dieß ſind ihre eigenen Worte.„„ ſage ihm, daß die Hand, welche Roſen fallen ließ, Lorbeeren ver⸗ leihen kann.““ 4
Dieſe Anſpielung auf ihr Zuſammentreffen in der Kapelle zu Engaddi, erweckte in Sir Kenneths See⸗ le tauſend Erinnerungen, und uͤberzeugte ihn, daß die Botſchaft des Zwerges aͤcht war. Die Roſenknos⸗ pen, ſo verwelkt ſie auch waren, bewahrte er immer noch unter ſeinem Kuͤraß, und ſeinem Herzen am naͤchſten. Er ſchwieg, und konnte ſich nicht entſchließen, eine Gelegenheit voruͤber zu laſſen, die vielleicht die einzige war, die ſich ihm je darbieten mochte, um Gunſt in den Angen derjenigen zu gewinnen, die er zur Gebieterin ſeiner Neigungen eingeſetzt hatte. Der Zwerg vergroͤßerte ſeine Verlegenheit, indem er dar⸗ auf drang, daß er entweder den Ring zuruͤckgeben, oder ihn augenblicklich begleiten ſolle.„
„Halt! nur einen Augenblick halt!“ rief der Ritter, und murmelte dann vor ſich hin: „bin ich eher der Unterthan oder Sclave des Koͤnigs Richard, als ein freier Ritter, der ſich durch einen Eidſchwur dem Dienſte des Kreuzes gewidmet hat? Und wen gedachte ich zu ehren, als ich mit Lanze und Schwerdt hierher kam? Unſere heilige Sache und meine treffliche Dame!“.
„Den Ring, den Ring!“ rief der Zwerg ungedul⸗ dig aus;„falſcher und traͤger Ritter, gib den Ring zu⸗ ruͤck, denn Du biſt unwurdig, ihn zu beruͤhren oder zu be⸗ trachten.“„Nur einen Augenblick, guter Nebectamus,“ ſagte Sir Kenneth;„ ſtoͤre meine Gedanken nicht.— Wie, wenn die Saracenen gerade jetzt unſere Linien an⸗ griefen, ſollte ich hier ſtehen bleiben, wie ein geſchwo⸗ rener Vaſall Englands, und dafür ſorgen, daß deſſen Stolz keine Demuͤthigungen erfuͤhre, oder ſollte ich nech der Breſche eilen, und fuͤr das Kreuz fechten?— Und


