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naͤchſt Gottes Sache kommen die Befehle meiner koͤnig⸗ lichen Dame— aber Koͤnig Richards Geheiß— mein eigenes Verſprechen, Nebeckamus, ich beſchwoͤre Dich, ſage mir, ob Du mich weit von hier wegfuͤhrſt?“
„Nur nach jenem Zelte; und da Ihr es nun ein⸗ mal wiſſen muͤßt, erwiederte Nebectamus, der Mond ſchimmert auf die vergoldete Kugel, die ſein Dach kroͤnt, und eines Koͤnigs Loͤſegeld werth iſt.“
„Ich kann in einem Augenblicke zuruͤckkehren,“ ſagte der Ritter, ſich verzweifelnd alle ferneren Ruͤckſich⸗ ten aus dem Sinne ſchlagend.„Ich kann dort das Bellen meines Hundes hoͤren, wenn ſich jemand der Fahne naͤhert— ich will mich meiner Dame zu Fuͤßen werfen, und ſie um die Erlaubniß bitten, zur Vollendung meiner Wache zuruͤckzukehren.— Hier Roswell, ſagte er, ſeinem Hunde rufend und ſeinen Mantel neben dem Bannerſpeer niederlegend, wache Du hier, und laß niemand heran.“
Der majeſtaͤtiſche Hund blickte ſeinem Herrn in's Geſicht, als ob er ihn verſichern wollte, daß er ſeinen Befehl verſtehe. Dann ſetzte er ſich neben dem Man⸗ tel nieder, mit geſpitzten Ohren und aufgerichtetem Kopfe, als ob er recht wohl wuͤßte, zu welchem Zwecke er hier ſey.
„Komm jetzt, guter Nebectamus,“ ſagte der Ritter,„wir wollen uns beeilen, die Befehle zu voll⸗ fuͤhren, die Du gebracht haſt.“
„Eile, wer da will,“ ſagte der Zwerg, in muͤrri⸗ ſchem Tone,„Du haſt Dich nicht ſehr beeilt, meiner Aufforderung zu gehorchen; auch kann ich nicht ſchnell genug gehen, um Euren langen Schritten nachzukom⸗ men— Ihr geht nicht wie ein Menſch, ſondern ſpringt, wie ein Strauß in der Wuͤſte.“
Es gab nur zwei Wege, die Hartnaͤckigkeit des Nebectamus zu beſiegen, der waͤhrend des Sprechens ſeinen Gang in einen wahren Schneckenſchritt um⸗ wandelte;— zu Geſchenken hatte Sir Kenneth die Mittel nicht;— zum Schmeicheln hatte er keine
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