Teil eines Werkes 
7. Band, Erzählungen von den Kreuzfahrern : 2. Erzählung, Der Talisman : 2. Theil (1826) Tales of the Crusaders. The Talisman
Entstehung
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raͤther oder als treuer Mann gegen dieſe koͤnigliche Dame betragt ſo lebt denn wohl!

Bleibe, bleibe, ich bitte Dich, bleibe, ſagte Sir Kenneth;beantworte mir nur eine einzige Frage: befindet ſich das Fraͤulein, das Dich ge⸗ ſchickt hat, in der Naͤhe dieſes Ortes?

Was liegt daran, ſagte der Zwerg;ſollte wohl die Treue nach Meilen oder Stunden rechnen, wie der arme Courier, der, je nach dem groͤßern oder kleinern Raume, den er durchreitet, fuͤr ſeine Muͤhe bezahlt wird? Deſſenungeachtet aber ſage ich Dir, Du argwoͤhniſche Seele, daß die ſchoͤne Eigenthuͤmerin des Ringes, der jetzt einem ſo unwuͤrdigen Diener, in welchem ſich weder Treue noch Muth findet, ge⸗ ſandt wurde, nicht weiter von dieſem Orte entfernt iſt, als dieſe unſere Armbruſt mit einem ihrer Bolze reichen kann.

Der Ritter blickte wieder auf den Ring, als ob er ſich uͤberzeugen wollte, daß das Kennzeichen unmoͤg⸗ lich falſch ſeyn koͤnne.Sage mir, ſagte er zu dem Zwerge,wird meine Gegenwart auf laͤngere Zeit erfordert? 5

Zeit! antwortete Nebectamus;was nennt

Ihr Zeit? Ich ſehe ſie nicht, ich fuͤhle ſie nicht es iſt bioß ein Schattenname eine Reihenfolge von Athemzuͤgen, die des Nachts durch den Schall einer Glocke, und bei Tag durch einen, uͤber ein Zifferblatt ziehenden, Schatten abgemeſſen werden. Weißt Du nicht, daß die Zeit eines aͤchten Ritters bloß nach den Thaten berechnet werden ſollte, die er fuͤr Gott und ſeine Dame verrichtet? Worte der Wahrheit, obſchon in dem Munde der Thorheit, ſagte der Ritter. Und fordert mich meine Dame wirklich auf, irgend eine That in ihrem Namen und fuͤr ſie zu verrichten? Und kann ſie nicht ein paar Stunden bis zum Anbruche des Tages verſchoben werden?

Sie fordert Deine Gegenwart augenblicklich,