131 und deren Hoheit das unſterbliche Geſchlecht, von dem ſie abſtammen, beherrſchen koͤnnte.“
Eine kuͤhne und unwahrſcheinliche Muthmaßung ſtieg in der Seele des Ritters auf, allein er unter⸗ druͤckte ſie; unmoͤglich, dachte er, konnte die Dame ſeines Herzens ihm eine ſolche Botſchaft durch einen ſolchen Boten geſchickt haben;— doch zitterte ſeine Stimme, als er ſagte:—„Wohlan, Nebeckamus, ſage mir gerade heraus, und als ein aufrichtiger Mann, ob die erhabene Dame, von der Du ſprichſt, eine andere iſt, als die Houri, mit deren Beiſtand ich Dich die Kapelle zu Engaddi ausfegen ſah?“
„Wie, vermeſſener Ritter,“ erwiederte der Zwerg, „glaubſt Du, die Herrin unſerer koniglichen Neigun⸗ gen, die Theilnehmerin unſerer Groͤße und unſerer Holdſeligkeit wuͤrde ſich ſo ſehr erniedrigen, um einem ſolchen Dienſtmann, wie Du biſt, einen Auf⸗ trag ertheilen zu laſſen! Nein, ſo hoch Du auch ge⸗ ehrt ſeyn magſt, ſo haſt Du doch noch nicht die Auf⸗ merkſamkeit derjenigen verdient, von deren hohem Sitze aus ſelbſt Fuͤrſten nur Pygmaͤen ſcheinen. Aber ſieh' hieher! und je nachdem Du dieſes Zeichen an⸗ erkennſt oder nicht anerkennſt, gehorche oder verſchmaͤ⸗ he die Befehle derjenigen, die in der That ſich herab⸗ gelaſſen hat, ſie Dir zu ertheilen.“
„Mit dieſen Worten legte er dem Ritter einen Rubinring von großem Werthe in die Hand, den er ſelbſt in dem Mondlichte ohne Schwierigkeit fuͤr den erkannte, der gewoͤhnlich den Finger der hochgebohrnen Dame zierte, deren Dienſte er ſich geweiht hatte. Haͤtte er an der Wahrheit des Zeichens zweifeln koͤn⸗ nen, ſo wuͤrde er durch die kleine, aus einem fleiſch⸗ farbigen Bande gebildete Schleife, die an den Ring befeſtigt war, uͤberzeugt worden ſeyn. Dieß war die Lieblingsfarbe ſeiner Dame, und mehr als einmal hatte er der Fleiſchfarbe, indem er ſie fuͤr ſeine eigene Livres annahm, den Triumph uͤber andere Farben in den Schranken und in der Schlacht verſchafft.
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