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die kleine Armbruſt, die dem Spielzeuge aͤhnlich war, womit die Kinder zu jener Zeit kleine Voͤgel ſchießen durften, in die linke Hand, gab ſich ein wuͤrdevolles Anſehen, und reichte dem Ritter ſeine rechte Hand mit großer Anmuth hin, als ob er er⸗ wartete, daß er ſie kuͤſſen werde. Als aber dieß nicht erfolgte, fragte er in einem bittern und argerlichen Tone:„warum bringſt Du dem Nebectamus die ſei⸗ ner Wuͤrde gebuͤhrende Huldigung nicht dar?— oder iſt es moͤglich, daß Du ihn vergeſſen haſt?“ „Großer Nebectamus,“ antwortete der Ritter, der die uͤble Laune des Zwerges zu beſaͤnftigen wuͤnſchte, „das waͤre etwas Schwieriges für jeden, der Dich nur einmal geſehen hat.— Verzeihe mir jedoch, daß ich als Soldat auf meinem Poſten, und mit der Waffe in der Hand, einem Manne von Deiner Macht den Vortheil nicht geben kann, in den Bezirk meiner Wa⸗ che zu kommen, oder ſich meiner Waffe zu bemaͤchtigen. Es genuͤge, daß ich Deine Wuͤrde verehre, und mich Dir ſo demuͤthig unterwerfe, als es einem Krieger an meiner Stelle nur immer moͤglich iſt.“ ⸗
„Es ſoll genuͤgen,“ ſagte Nebectamus,„wenn Ihr mich augenblicklich zu denen begleitet, die mich hieher geſchickt haben, um Euch vorzuladen.“
„Großer und maͤchtiger Herr,“ erwiederte der Rit⸗ ter,„hierin kann ich Dir nicht willfahren; denn ich habe den Befehl, bei dieſem Paniere zu bleiben, bis der Tag anbricht— ich bitte Dich daher, mich auch in dieſer Sache zu entſchuldigen.“
Nachdem er dieſes geſagt, ſetzte er ſein Auf⸗ und Niedergehen auf der Platform fort; allein der Zwerg nef ihn nicht ſo leicht ſeiner Zudringlichkeit aus⸗ weichen.
„Hoͤrt,“ ſagte er, ſich vor Sir Kenneth hinſtellend und ihm den Weg vertretend,„entweder gehorcht mir, Herr Ritter, als durch Pflicht gebunden, oder ich will Euch den Befehl im Namen einer Perſon ertheilen, deren Schoͤnheit die Genien aus ihrer Sphaͤre rufen


