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ſah, ohne jedoch ſeine Geſtalt unterſcheiden zu koͤnnen.
„Nimm dich in Acht,— ich bin auf Leben und Tod hier!“
„Nimm den langbeinigen Satanas zu Dir, oder ich werde ihn mit einem Bolzen von meiner Armbruſt beſchwoͤren.“
Zu gleicher Zeit hoͤrte er einen Laut, als ob eine Armbruſt geſpannt wuͤrde.
„Lege Deine Armbruſt bei Seite, und komm in das Mondlicht,“ ſagte der Schotte,„oder bei'm heili⸗ gen Andreas, ich will Dich an den Boden heften, was oder wer Du auch ſeyn magſt.“
Mit dieſen Worten faßte er ſeine Lanze in der Mitte, und ſchwang ſie, das Auge feſt auf den Ge⸗ genſtand geheftet, der ſich ihm zu naͤhern ſchien, als ob er ſie fortſchleudern wollte, ein Gebrauch, den man bisweilen, obwohl nur ſelten, von dieſer Waffe machte, wenn ein Wurfgeſchoß nothwendig war. Er ſchaͤmte ſich jedoch ſeines Vorſatzes, und ſenkte ſeine Waffe auf den Boden, als, gleich einem die Buͤhne betretenden Schauſpieler, vom Schatten in's Mondlicht ein verkruͤppeltes haͤßliches Geſchoͤpf trat, das er an ſeinem phantaſtiſchen Anzuge und ſeiner Mißgeſtalt, ſelbſt in einiger Entfernung ſchon, fuͤr die maͤnnliche der beyden Zwergs⸗Geſtalten erkannte, die er in der Kapelle zu Engaddi geſehen hatte. Da er ſich in demſelben Augenblicke an die andern, und ganz verſchiedenen Erſcheinungen jener außerordentli⸗ chen Nacht erinnerte, ſo gab er ſeinem Hunde ein Zeichen. Dieſer verſtand es augenblicklich, kehrte zu der Standarte zuruͤck, und legte ſich mit einem er⸗ ſtickten Knurren neben ſie nieder.
Der kleine mißgeſtaltete Miniatur⸗Menſch, der ſich nun gegen einen ſo furchtbaren Feind geſchuͤtzt
b, kam keuchend die Anhoͤhe herauf, was die Kuͤrze ſeiner Fuͤße ihm etwas beſchwerlich machte, und 55 er oben auf der Platform angelangt war, nahm er
W Scott's Werke. VII. 9


