3 88 ben— daß wir aufgewacht ſind, und daß das Geſicht nun verſchwunden iſt.“ „Es kann nie verſchwinden,“ entgegnete Conrad.
„Erſcheinungen von Herzogs⸗Kronen und Koͤnigs⸗ binden vertheidigen in der That ihren Platz in un⸗ ſerer Einbildungskraft etwas hartnäͤckig,“ erwiederte der Großmeiſter. 7
„Gut,“ antwortete Conrad.„Laß mich nur zuerſt den Verſuch machen, den Frieden zwiſchen Oe⸗ ſterreich und England zu brechen.—“ 6
Sie ſchieden.— Conrad blieb noch auf dem Platze ſtehen und ſah dem wallenden weißen Mantel des Tempelherrn nach, als dieſer langſam hinweg⸗ ſchritt, und allmaͤhlig in der ſchnell herabſinkenden Dun⸗ kelheit der orientaliſchen Nacht verſchwand. Stolz, ehrgeizig, verſchlagen und eben nicht ſehr gewiſſenhaft war der Marquis doch von Natur nicht grauſam. Er war ein Wolluͤſtling und Epikuraͤer, und, gleich vielen dieſer Sinnesart, ſogar aus ſelbſtſuͤchtigen Be⸗ weggruͤnden, abgeneigt, Andern Schmerzen zu verur⸗
ſachen oder Zeuge von grauſamen Handlungen zu
ſeyn; auch naͤherte er ein allgemeines Gefuühl von Achtung fuͤr ſeinen Ruf, was bisweilen den Mangel beſſerer Grundſaͤtze, wodurch ein guter Name erhalten wird, erſetzt.—
„Ich habe,“ ſagte er, als ſeine Augen noch nach dem Punkte gerichtet waren, wo er das letzte leichte Wallen vom Mantel des Tempelherrn geſehen hatte,


