89 —„ich habe in der That den Teufel ſelbſt herbeige⸗ rufen! Wer haͤtte geglaubt, daß dieſer finſtere, as⸗ cetiſche Großmeiſter, deſſen ganzes Gluͤck oder Ungluͤck mt idem ſeines Ordens verknuͤpft iſt, zu deſſen Wohl⸗ fahrt mehr zu thun geneigt ſeyn wuͤrde, als ich, der ich fuͤr mein eigenes Intereſſe kaͤmpfe. Dieſen wilden Kreuz⸗ zug zu hemmen war in der That meine Abſicht, aber das raſche Verfahren, das dieſer entſchloſſene Prie⸗ ſter anzurathen wagte, kam mir nicht in den Sinn— und doch fuͤhrt es am ſicherſten, und vielleicht auch am leichteſten zum Ziele.“.
Solche Betrachtungen ſtellte der Marquis an, als ſein leiſes Selbſtgeſpraͤch durch eine Stimme unterbro⸗ chen wurde, die aus einer geringen Entfernung in dem nachdruͤcklichen Tone eines Herolds die Worte rief: „Gedenke des heiligen Grabes.“
Die Ermahnung wiederhallte von Poſten zu Poſten; denn es war die Pflicht der Schildwachen, dieſen Ruf von Zeit zu Zeit auf ihrer periodiſchen Wache ertö⸗ nen zu laſſen, damit das Heer der Kreuzfahrer den Zweck ſeiner Bewaffnung, nie aus den Augen verlie⸗ ren moͤchte. Allein obſchon Conrad dieſe Sitte kannte, und bei allen fruͤheren Gelegenheiten die warnende Stimme als eine gewohnte Sache-vernommen hatte, ſo kam ſie doch in dieſem Augenblicke in eine ſo ſtar⸗ ke Beruͤhrung mit ſeiner Gedankenreihe, daß ſie in ſeinen Ohren wie eine Stimme vom Himmel klang, die ihn gegen die Ungerechtigkeit warnte, auf die ſein


