Teil eines Werkes 
6. Band, Erzählungen von den Kreuzfahrern : 2. Erzählung, Der Talisman : 1. Theil (1826) Tales of the Crusaders. The Talisman
Entstehung
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102 Alles nach ihrem freien Willen, und ohne eine andere Einſprache, als die, welche ſich in den treueſten Dien⸗ ſten des Herzens und Schwerdtes des Ritters aus⸗ druͤckte, deſſen einziger Lebenszweck darin beſtand, ihre

Befehle zu erfuͤllen, und durch den Glanz ſeiner Tha⸗

ten ihren Ruf zu erhoͤhen. . Dieß war den Regeln des Ritterthums und der Liebe, die deſſen herrſchendes Princip war, gemaͤß. Allein Sir Kenneths Anhaͤngigkeit wurde durch an⸗ dere und noch eigenthuͤmlichere Umſtaͤnde romantiſch gemacht. Noch nie hatte er den Klang der Stimme ſeiner Dame gehoͤrt, obwohl ihre Schoͤnheit oft mit Entzuͤcken betrachtet. Sie bewegte ſich in einem Krei⸗ ſe, dem er ſich, in Betracht ſeines Ritterranges, wohl naͤhern, in den er ſich aber nie ſelbſt miſchen durfte, und obſchon er ſeiner kriegeriſchen Thaten und ſeiner Entſchloſſenheit wegen in großem Anſehen ſtand, ſo ſah ſich doch der arme ſchottiſche Krieger gezwun⸗

gen, ſeine Goͤttin in einer faſt eben ſo großen Ent⸗

fernung zu verehren, als die iſt, welche einen Per⸗ ſer von der Sonne trennt, die er anbetet. Allein, wann war das Auge des Weibes zu ſtolz, um die leidenſchaftliche Ergebenheit eines Liebhabers zu be⸗ achten, ſo gering auch ſeyn Stand ſeyn mochte? Ihr Auge hatte im Turniere auf ihm geruht, ihr Ohr den Ruhm, den er ſich in den taͤglichen Gefech⸗ ten erfocht, vernommen; und waͤhrend Grafen, Her⸗ zoge und Lords um ihre Gunſt ſtritten, wandte ſie