55 Maal an der Bruſt ſeiner Geliebten allen Schaͤtzen von Bockhara und Samarcand vorzieht. 3
„Saracene,“ rief der Kreuzfahrer in duͤſterem Tone aus,„obſchon du verblendet und in die Irrthuͤ⸗ mer eines falſchen Geſetzes verſunken biſt, ſo ſollteſt du doch begreifen, daß es Oerter giebt, die heiliger ſind, als andere und daß an einigen der Boͤſe mehr als gewöhnliche Macht uͤber ſuͤndige Sterbliche beſitzt. Ich will dir nicht ſagen, aus welchem ſchrecklichen Grunde dieſer Platz— dieſe Felſen— dieſe Hoͤhlen mit ihren duͤſtern Gewoͤlben, die wie es ſcheint, bis zum Abgrunde der Hoͤlle fuͤhren, fuͤr einen beſondern Aufenthalt Satans und ſeiner Engel gehalten wer⸗ den. Es iſt genug, daß ich von heiligen Maͤnnern, denen die Eigenſchaften dieſer unheiligen Gegend wohl bekannt ſind, oftmals vor dieſem Orte gewarnt wor⸗
den bin. Deßwegen, Saracene, laß deinen thoͤrichten und unzeitigen Leichtſinn, und wende deine Gedanken auf Gegenſtaͤnde, die dem Orte angemeſſener ſind; obſchon, wehe dir! deine beſten Gebete nur Gotteslaͤ⸗ ſterung und Sunde ſind.“
Der Saracene hoͤrte mit einigem Erſtaunen zu und erwiederte dann mit froher Laune, die er nur in ſo weit zuruͤckhielt, als es die Hoͤflichkeit erforder⸗ te.„Guter Sir Kenneth, mir duͤnkt, Ihr verfahret ungeziemend mit eurem Gefaͤhrten, oder Hoͤflichkeit und Artigkeit muͤßte unter euern abendlaͤndiſchen Staͤmmen nur unvollkommen gelehrt werden. Ich


