221
ſchauert, und er hat das Tuch weit von ſich geworfen auf den Schreibtiſch, denn die feuchten Mutterthränen haben auf ſeiner Hand gebraunt wie Feuer. Am an⸗ dern Tage hat die Dame ihren Diener geſendet und nach dem Tuche fragem laſſen; es lag noch da auf
ſeinem Schreibtiſche— aber es war ſeltſam; er
mochte ſich nicht von dieſem Tuche trennen, und ganz wider ſeinen Willen, ganz unbewußt antwortete er dem eintretenden Diener, es habe ſich hier nichts gefunden, ſie müſſe das Tuch anderswo verloren ha⸗ ben. Dann hat er das Tuch haſtig genommen und hat es in ſeinen Schreibtiſch eingeſchloſſen in ein ge⸗ heimes Fach.
Warum hat er es gethan? Er hat ſich das zu⸗ weilen ſpäter oft ſelbſt gefragt und hat ſich keine Antwort darauf zu geben gewußt.
Es war wie ein Zauber, und das Tuch kam ihm vor wie eine Reliquie, von der er ſich nicht wieder trennen mochte; aber derjenige, für welchen die jam⸗ mernde Mutter damals vergeblich gefleht, der iſt jetzt auch wieder frei! Zum Rad war er verurtheilt, be⸗ gnadigt dann zu zwanzig Jahren Feſtung, und nun iſt er wieder frei! Der König hat auch ihn amneſtirt und man hat ihm neulich in einem anonymen Briefe gemeldet, daß dieſer, der härteſt Beſtrafte von allen


