Teil eines Werkes 
3. Band (1873)
Entstehung
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groß und ſtolz, und hat aus ihren dunklen Augen ihn angeſchaut mit einem flammenden Blick.

Sie haben kein Erbarmen, mein Herr? hat ſie geſagt.Nun wohl! Ich künde Ihnen, daß auch für Sie eine Stunde kommt, wo man kein Erbarmen mit Ihnen haben wird und wo Ihre Klagen vergceblich ertönen. In dieſer Stunde werden die Schmerzen, die Sie mir bereitet haben, gerächt ſein!

Dann hat ſie ſich abgewendet, ſtolz, hoch aufge⸗ richtet, und iſt hinausgegangen.*)

Ihre Worte haben ihn erſchüttert wider ſeinen Willen und es iſt ihm einen Moment ganz angſt und wehe geworden, und er hat ſie zurückrufen wollen. Dann hat er über ſich ſelber gelächelt und ſich wieder auf den Lehnſeſſel niedergelaſſen, auf denſelben, auf welchem er jetzt ſitzt, und da hat er vor ſich auf der Diele etwas Weißes geſehen und er hat es aufgehoben. Es iſt das Tuch, welches die arme Frau zurückgelaſſen,

das Tuch, welches ſie an ihre Augen gedrückt. Es

iſt ganz naß von ihren Thränen, und von dieſen Thränen einer unglücklichen Mutter ſind ſeine Hände feucht geworden. Ihm hat es das Herz damals durch⸗

*) Dieſe ganze Scene enthält die Wahrheit, und es war meine theure, edle Mutter, welche ſie erlebte und ſie mir erzählte, Die Verf.

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