Teil eines Werkes 
3. Band (1873)
Entstehung
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dunkel, da iſt es helle und licht. Bilder ſteigen vor ihm auf, neue furchtbare Bilder.

Jetzt ſieht er eine Frau, eine bleiche Frau mit edlen, ſchönen Mienen, mit von Thränen gerötheten Wangen zu ihm eintreten, und mit leiſer zitternder Stimme ſpricht ſie zu ihm. Sie ſagt ihm, daß der junge Student, welchen er vor einigen Tagen in Ber⸗ lin hat verhaften laſſen, ihr Sohn ſei, und ſie fleht zu ihm um Barmherzigkeit. Ihr Sohn iſt gewiß un⸗ ſchuldig, er hat gewiß keine ſchlimmen Gedanken ge⸗ habt! Es mag ſein, daß er ſich in geheime Verbin⸗ dungen eingelaſſen hat; es mag ſein, daß er unter denen, welche man in Frankfurt verhaften und im

Stadtgefängniß ſchmachten ließ, Freunde gehabt und.

deshalb einen Verſuch gemacht hat, ſie zu befreien. Es war Jugendübermuth; aber es war kein böſer und ſchlechter Gedanke in ihrem Sohne! Ihr Sohn iſt ein guter Menſch und ſicherlich hat er keine mörderiſchen Gedanken gehegt; er iſt noch ſo jung, er wird ſein Unrecht einſehen und ſich beſſern.

Er hört ihre flehende Stimme, und es iſt wun⸗ derbar, er hört ſich ſelbſt antworten mit grollender, harter Stimme:Sich beſſern? Ja, Madame, wir wollen ja, daß er das ſoll, und darum werden wir ihn in die Schule nehmen. Im Gefängniß wird er