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mächtiger Herr, ein wirklicher Geheimrath geworden! Vor dir haben ſich die Mächtigen und Großen gebeugt, weil du Einfluß hatteſt und weil es gefährlich war, dich zum Feinde zu haben. Aber die Zeit der Rache iſt gekommen, und du ſollſt deinen Lohn empfangen für unſeren Jammer und für unſer Elend.“ „Entſinnſt du dich noch“, fragte ihn jetzt mit lei⸗ ſem, ziſchelndem Ton eine Stimme in ſeinem Herzen, „entſinnſt du dich noch, wie du mich verhaften ließeſt? Mich, der ich zu den Univerſitäts⸗Ferien zurückkehren wollte in die Heimat zu dem Vater, der mich hatte rufen laſſen, weil eine ſchwere Krankheit ihn danieder⸗ geworfen? Mein Vater war ein ehrlicher und braver Mann, ein hoher Beamter, der dir widerſtrebt hatte; der nicht, wie du gewollt, in ſeinem Kreiſe eine Re⸗ bellenhetze geſtattete, und der zweimal junge Leute, welche du gefangen nehmen wollteſt, entſchlüpfen ließ. Du ſchwureſt Rache, und du übteſt Rache, indem du mich verhaften ließeſt, blos weil man dir geſagt, ich hätte an einer unerlaubten Studentenverbindung theil⸗ genommen. Ich betheuerte dir bei dem Geiſte meiner Mutter, daß ich unſchuldig ſei und keiner Verbindung angehörte. Da lachteſt du, lachteſt laut und ſpöttiſch und ſagteſt zu mir: Wenn Sie erſt ſechs Wochen im Gefängniß geſeſſen haben, wird es ſchon zu Tage


