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Eben ward die Thür, die in das zweite Vorzim⸗ mer führte, geöffnet, und in derſelben erſchien in voller
Staatsuniform, die Bruſt von Orden ſtrahlend und
höher noch das Antlitz ſtrahlend von einem freudigen Lächeln, der Generaladjutant des Königs, Herr von Thiele.
Das zornige Angeſicht des Königs erhellte ſich ſchon ein wenig bei dem Erſcheinen ſeines frommen Lieblings, aber es ſtrahlte noch mehr auf, als jetzt hinter dem General eine andere Geſtalt noch ſichtbar ward, die Geſtalt der Königin. Sie trat bis dicht auf die Schwelle und grüßte den König ehrfurchtsvoll. „Riefen mich Eure Majeſtät?“ fragte ſie.
„Verſtehe, Frau Baronin, verſtehe!“ rief der Kö⸗ nig und wendete ſich raſch wieder zu dem entſetzten, bleichen Kammerherrn hin.„Wirklich, Herr Kammer⸗ herr, ich bin ſehr ungehalten auf Sie und glaube wol, Grund dazu zu haben“, ſagte er mit milder Stimme.„Doch Sie haben Ihre Strafe ſchon erhal⸗ ten“, fuhr er dann mit ſanftem Lächeln fort,„ich habe Ihnen gezürnt, nun vergebe ich Ihnen. Gehen Sie zu der Königin und bedanken Sie ſich bei ihr für meine Vergebung. Erzählen Sie ihr, was geſchehen, und ſagen Sie ihr, daß ich wieder gutgemacht. Gehen Sie.“


