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Er reichte dem Kammerherrn ſeine Hand dar und duldete es, daß dieſer mit hervorbrechenden Thränen dieſe gnädige Hand, die ihn geſchlagen und jetzt ihn ſtreichelte, an ſeine Lippen drückte.
„Und nun, mein lieber Thiele, was gibt es?“ fragte der König, ſich an den Generaladjutanten wendend.—
„Majeſtät, es iſt eine Deputation gekommen, welche dringend bittet, vor Eurer Majeſtät erſcheinen zu dürfen.“
„Ah, wieder eine Deputation“, erwiderte der Kö⸗ nig mit einem erzwungenen Lachen.„Wiſſen Sie aber, was dieſe Menſchen, welche eben hier waren, von mir forderten? Eine reichsſtändiſche Verfaſſung! Sie ſpreizten ſich mit großen Redensarten und mahnten
mich an das Wort, welches mein Herr Vater geſpro⸗
chen. Iſt Ihre Deputation vielleicht auch eine in ſol⸗ chem Sinne?“
„Verhüte Gott, daß ich ſolche Rebellen vor das Angeſicht meines gnädigen Königs führen ſollte“, rief der Generaladjutant mit frommem Aufſchlag ſeiner Augen zum Himmel.„Hat man gewagt, das erlauchte
Herz meines Königs ſo zu betrüben? Nun, dann iſt
es Gott ſelber, welcher durch mich den Balſam ſendet für dieſes edle königliche Herz, den Balſam für die


