Teil eines Werkes 
1. Band (1873)
Entstehung
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17 Ich bin dahin gekommen, es für eine Chimäre zu hal⸗ ten, und ich ſetze für dieſes Wort den BegriffPflicht und ſage zu mir ſelber: Ich will meine Pflicht als Kaiſer erfüllen und will meine Unterthanen lehren, auch von ihrer Seite aus ihre Pflicht zu erfüllen. Dann wollen wir verſuchen, ob in der Erfüllung der Pflicht das große Wort Glück zu finden iſt. Und ſo werden auch Sie es zuletzt erkennen müſſen, mein theu⸗ rer Freund und Bruder! Die Pflichterfüllung gibt ein reines Bewußtſein und dieſes reine Bewußtſein allein gibt dasjenige, was wir vielleicht Glück nennen mögen.

Er neigte ſich und überflog mit ſeinem ſcharfen Adlerblick das große Blatt Papier, welches auf dem Schreibtiſche des Königs lag und über welches auch der König das Haupt geneigt hatte bei dem Eintritte ſeines Schwagers.

Es war das große gedruckte Teſtament des Königs Friedrich Wilhelm III., von welchem der König ſelber eben die Correctur geleſen, und das beſtimmt war, an allen Straßenecken Berlins angeſchlagen zu werden als ein letzter heiliger Gruß des verſtorbenen Königs an ſein Volk.

Der Kaiſer überlas haſtig die Zeilen und deu⸗ tete dann mit dem ſchlanken Vorderfinger ſeiner Rech⸗ ten auf eine Stelle des Teſtaments hin.

Mühlbach, proteſtantiſche Jeſuiten I. 2