Teil eines Werkes 
1. Band (1873)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

16

Male das heilige Teſtament meines geliebten Vaters las.

Der Kaiſer nickte leiſe und einen Moment flog ein ſeltſamer, ſpöttiſcher Ausdruck über ſein ſtolzes, ſchönes Geſicht hin.

Glücklich, ſagte er, leiſe das Haupt wiegend, halb zu ſich ſelber und halb zu dem König.Glück⸗ lich! Ja, wenn man nur erſt wüßte, wo das Glück zu finden iſt und worin es beſteht! Wiſſen Sie das, mein theurer Bruder?

Nun, ich denke, es beſteht darin, daß Jeder ſich ruhig und zufrieden fühlt, erwiderte der König raſch. Es beſteht darin, daß Jeder nach ſeinem Behagen leben kann.

Das wäre freilich ein paradieſiſcher Zuſtand, erwiderte der Kaiſer lächelnd.Jeder nach ſeinem Behagen leben? Wo könnte das ſein? Gibt man dem Einen Behagen, empfindet der Andere es als Unbeha⸗ gen; gibt man dem Einen ſein Recht, verletzt man da⸗ durch vielleicht die Rechte eines Anderen. Ich habe über dieſes Wort und noch zwei andere Worte viel nachgedacht, fuhr er ſinnend fort.Sie beſchäftigen mich ſeit dem Tage, da ich zur Regierung gelangt bin. Ich weiß für dieſe drei Worte immer noch keine rechte Deutung und Löſung. Da iſt zuerſt das WortGlück.