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hat dem eingeſenkten Steine und der Urkunde doch nicht mehr die Weihe geben können. Sein Sohn, der Kronprinz, hat es gethan an ſeiner Statt. Und die 2 Glocken haben dazu geläutet und die Kanonen haben es laut verkündet, das herrliche Feſt der Erinnerung— das letzte, welches der König Friedrich Wilhelm III auf Erden begehen ſoll!
Nein, nicht um des Denkmals willen, nicht um zu ſchauen nach dem eiſernen Gitter, ſind die Tauſende hier verſammelt auf dem weiten, ungeheuren Platze. Sie ſind gekommen, um Nachricht von dem Leben und Sterben des Königs zu erhalten. 1
„Der König iſt krank, der König liegt im Ster⸗ ben.“ Dieſe Kunde iſt in den letzten Tagen durch ganz Berlin gedrungen, und ſie hat die Leute aus den Häuſern hinausgetrieben, hin auf den weiten Platz vor dem Hauſe des Königs. Vornehm und gering, ſie Alle haben ſich beeilt, heute, da es heißt:„Der König wird heute ſterben“, hier zu ſein, um ſelber Nachricht zu erhalten, um ihr Beileid, ihre Theilnahme durch ihre Gegenwart zu zeigen.
Vornehm und gering! Heute gibt es keine Stan⸗ desunterſchiede. In den dichigedrängten Maſſen dort ſteht der Graf neben dem armen Arbeiter, der Frei⸗ herr neben dem Taglöhner, und Einer fragt den


