Teil eines Werkes 
2. Band (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

197

geſchworen, hatten ſie verlaſſen, wie Viele, denen ſie wohl gethan, hatten ſie verleugnet in der Stunde der Gefahr!

In der Großmuth und Milde ihres Herzens ver⸗

zieh ſie ihnen Allen, und ſtatt Groll zu hegen, be⸗ mitleidete ſie ſie! Sie hatte abgeſchloſſen mit der Welt! Arenenberg war jetzt allein noch ihre Welt, Arenenberg, in welchem ihr letztes und ſchönſtes Glück, ihr Sohn, der Erbe des kaiſerlichen Namens, an ihrer Seßſe lebte, Arenenberg, welches einem großen Tempel der Erinnerungen glich, deſſen fromme und gläubige Prieſterin Hortenſe war. In Arenenberg ſchrieb Hortenſe die ſo traurige und rührende Geſchichte ihrer Reiſe durch Italien, Frankreich uͤnd England, die ſie in dem Heroismus ihrer Mutterliebe unternahm, um ihren Sohn zu ret⸗ ten. Die edelſte Weiblichkeit, der gebildetſte Geiſt, die ſtolzeſte und reinſte Seele ſpricht aus dieſem Buch, mit dem Hortenſe ſich ein Denkmal geſetzt, das unvergänglicher iſt, wie alle Denkmäler von Stein und Erz, denn dieſes Denkmal ſpricht zum Herzen, jene nur zu den Augen. Hortenſe hat dies Buch mit ihrem Herzen, oft unterbrochen von den Thränen, die ihre Augen verdunkelten, geſchrie⸗ ben, ſie ſchließt es mit einem rührenden Zuruf an das franzöſiſche Volk, dem man hier eine Stelle ge⸗ ſtatten möge: 4

Die Erneuerung des Exilgeſetzes, ſo lautet der Schluß ihres Buches,und die Einigungsverſuche, welche man zwiſchen uns und den Bourbonen macht, ſind

der Beweis der Empfindungen und Befürchtungen, die man in Bezug auf uns hegt. Nicht Eine Freun⸗ desſtimme hat ſich zu unſern Gunſten erhoben; dieſe Gleichgültigkeit hat die Bitterkeit unſerer Verbannung verdoppelt! Mögen ſie dennoch glücklich ſein, Die⸗