XII. Die Piſgerin.
Am nächſten Morgen verließ die Herzogin mit ihrem Sohn Boulogne, um weiter mit ihm zu pil⸗ gern durch das Land ihrer Jugend und ihrer Erin⸗ nerungen.—
Es war eine traurige und doch eine herzerquickende Wanderſchaft, denn obwohl eine Verbannte und Na⸗ menloſe, war ſie doch in ihrem Vaterland, war es doch die heimathliche Erde, welche ihr Fuß berührte. Seit ſechszehn Jahren hatte ſie in der Fremde gelebt, in einem Lande, deſſen Sprache ſie nicht kannte, und deſſen Volk ſie daher nicht zu verſtehen vermochte. Jetzt auf dieſer Reiſe durch Frankreich freute ſie ſich, einmal wieder Alles verſtehen zu können, was ſich das Volk auf den Gaſſen, die Bauern auf den Fel⸗ dern erzählten. Es war für ſie ein ſchmerzlich ſüßes Gefühl ſich ſagen zu können, daß ſie inmitten dieſes Volkes keine Fremde ſei, und darum gewährte es ihr jetzt auch die größte Freude, mit dieſem Volk zu plaudern und ſeinen naiven und kunſtloſen Worten zuzuhören. 8
So wie ſie in dem Gaſthaus irgend einer Stadt, eines Dorfes, wo ſie einen Raſttag haben wollten, angelangt waren, begab ſich Hortenſe am Arm ihres Sohnes hinunter auf die Straße; einmal trat ſie in eine Boutique ein, ſetzte ſich dort nieder und ſprach mit den Leuten, welche in den Laden kamen, um ſich ibre geringen Bedürfniſſe des Tages zu kaufen; ein anderes Mal hielt ſie auf der Gaſſe ein Kind an, um es zu liebkoſen und es nach ſeinen Aeltern zu


