Teil eines Werkes 
2. Band (1858)
Entstehung
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hier bleiben. Ich habe gemeſſenen Befehl, Ihnen dies zu ſagen; wenn nicht geradezu Gefahr für das Leben Ihres Sohnes daraus entſteht, müſſen Sie ſogleich abreiſen.

Hortenſe hörte ihn ruhig an. Sie fühlte faſt Mitleid mit dieſem König, dieſem Gouvernement, welchem eine ſchwache Frau, ein kranker Jüngling Furcht einflößte. Wie groß mußte dieſe Furcht ſein, wenn man um ihretwillen alle Regeln der Gaſtfreund⸗ ſchaft und des Anſtandes verleugnen mußte! Was hatte ſie denn gethan, um dieſe Furcht zu rechtferti⸗ gen? Nicht an das Volk von Frankreich hatte ſie ſich gewandt, um für ihren Sohn, für den Neffen des Kaiſers Schutz und Hülfe zu erflehen, angſtvoll und ſcheu hatte ſie ſich vor dem Volk verborgen, und fern davon, ihrem Vaterlande neue Unruhe, nene Bewegung bereiten zu wollen, hatte ſie nur dem Kö⸗ nig der Franzoſen ſich anvertraut, nur ihn um Schutz und Duldung gebeten.

Trotz dieſes edlen Freimuths mißtraute man ihr, und ihre Anweſenheit, obwohl von Niemand gekannt, erregte denen Schrecken, welche die Macht und Ge⸗ walt in Händen hatten. Hortenſe hatte Mitleid mit ihnen, nicht ein Wort der Klage oder des Bedauerns kam mehr über ihre Lippen. Sie ließ ſofort den Arzt rufen, und indem ſie ihm ſagte, daß ſie noth⸗ wendigerweiſe nach London abreiſen müſſe, fragte ſie ihn, ob eine ſolche Reiſe ihrem Sohne gefährlich wer⸗ den könne. Der Arzt erklärte, daß er allerdings noch einige Tage der Ruhe und der Erholung ge⸗ wünſcht habe, daß aber bei gehöriger Vorſicht und Aufmerkſamkeit der Prinz im Stande ſei, am anderen Tage abzureiſen.

Ich werde alſo morgen reiſen, berichten Sie das dem König! ſagte Hortenſe, und während Herr von