Teil eines Werkes 
2. Band (1858)
Entstehung
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Aber die Anweſenheit der Herzogin, ſo geheim ſie auch immer gehalten wurde, fing doch mehr und mehr an, den König und ſeinen Miniſter⸗Präſidenten Caſimir Perrier zu beunruhigen. Einmal ſchon hatte der Letztere ihr durch Herrn von Houdetot ſagen laſſen, ihre Abreiſe ſei dringend nöthig, ſie müſſe ſo⸗ fort erfolgen, und nur der Anblick des kranken Prin⸗ zen, deſſen Halsentzündung eben auf's Neue Blutegel nöthig gemacht, hatte ihn in ihr ferneres Bleiben willigen laſſen.

Jetzt aber war man am Vorabend eines großen und gefährlichen Tages, am Vorabend des fünften Mai.*) Eine eigenthümliche Bewegung ging durch die Bevölkerung von Paris, und mit angſtvoller Sorge ſah das neue Gouvernement den Tag ſo großer Er⸗ innerungen für Frankreich hereinbrechen.

Auch ſchienen dieſe Sorgen ſich rechtfertigen zu ſollen. Seit dem Anbruch des Tages ſtrömten Tau⸗ ſende von Menſchen der Säule auf dem Vendôme⸗ Platz zu. Schweigend und in ernſter Haltung näher⸗ ten ſie ſich dem Denkmal, um mit ihren mitgebrachten Blumen⸗Kränzen die Adler zu ſchmücken, oder ſie zu den Füßen der Säule niederzulegen, und ſich dann mit dem Ausdruck ſtiller Trauer zurückzuziehen.

Hortenſe ſtand am Feuſter ihres Gemaches, und ſchaute mit gefaltenen Händen und Thränen der Wonne dieſem für ſie ſo tiefergreifenden und rühren⸗ den Schauſpiel zu, das ſich da unten auf der Place Vendôme begab. Da auf einmal ward heſtig an ihre Thür geklopft, und Herr von Houdetot ſtürzte mit bleichem, traurigem Geſicht herein.

Frau Herz ogin, agte er athemlos,Sit müſſen ſogleich abreiſen; Sie dürfen keine Stunde länger

*) Der Todestag Napoleons.