Teil eines Werkes 
2. Band (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— 167—

Sohnes, um in unſcheinbaren dunkeln Gewändern, das Geſicht von ihrem ſchwarzen Schleier verhüllt, nur begleitet von dem Marquis Zappi, hinaus zu gehen auf die Straßen. Niemand kannte ſie, Nie⸗ mand grüßte ſie, Niemand ahnte, daß dieſe dunkle Geſtalt, welche da ſo leiſe und ſcheu durch die dun⸗ kelnden Straßen ſchlüpfte, daß dies die einſtige Kö⸗ nigin von Holland ſei, welche einſt nur in vergol⸗ deten Karoſſen unter dem freudigen Zujauchzen des Volkes durch dieſelben Straßen gefahren war!

Aber auch auf dieſen Wanderungen durch Paris lebte Hortenſe nur ihren Erinnerungen. Sie zeigte dem Marquis das Hötel, welches ſie einſt bewohnt, und welches für ſie nur Eine glückliche Erinnerung hatte— ihre Söhne waren dort geboren! Sie ſchaute mit ſanftem Lächeln zu der ſtolzen Facade dieſes Hauſes empor, deſſen Fenſter hell erleuchtet waren, und in deſſen Salons vielleicht eben ein Ban⸗ quier oder ein baroniſirter Epicier ein Feſt gab, und mit ihrer weißen ſchlanken Hand zu dieſen Fenſtern em⸗ por deutend, ſagte ſie:„Ich wollte dieſes Haus wieder⸗ ſehen, um mir Vorwürfe darüber zu machen, daß ich mich in demſelben unglücklich gefühlt; ja ich wagte es da⸗ mals, mich zu beklagen, inmitten ſo vielen Glanzes und ſo vieler Herrlichkeit; ich war noch ſo fern da⸗ von, die Schwere des Unglücks zu ahnen, das mich eines Tages betreffen ſollte!“*)

Sie neigte ihr Haupt und ging weiter, um hier und dort die Häuſer einiger Freunde aufzuſuchen, von denen ſie wußte, daß ſie ihr treu geblieben. Tief verſchleiert, dicht eingehüllt in ihren dunklen Mantel, ſtand ſie dieſen Häuſern gegenüber, nicht wagend, ihre Freunde von ihrer Gegenwart zu benachrichtigen,

——x;—

*) Der Herzogin eigene Worte. Siebe Voyage p. 225.