163
Sie glaubte an die Güte und Geneigtheit des Kö⸗ nigs und in ihrer freudigen Rührung dankte ſie ihm mit innigen und begeiſterten Worten für das Gute, was er zu thun verſprach, ohne zu zweifeln, daß er es auch wirklich zu thun beabſichtige.
„Ach Sire,“ rief ſie,„die ganze Familie des Kai⸗ ſers iſt im Unglück, und Sie werden viele Ungerech⸗ tigkeiten wieder gut zu machen haben. Frankreich iſt in großer Schuld gegen uns Alle, und es iſt Ihrer würdig, dieſelbe abzutragen.*)
Der König erklärte ſich zu Allem bereit. Er, welcher es ſo ſehr liebte, Millionen einzunehmen, und Geldgeſchäfte zu machen, verſprach mit lächelndem Munde im Namen Frankreichs Millionen herauszu⸗ geben und die alte Staatsſchuld zu bezahlen!
*) Dieſe Schuld Frankreichs gegen die Napoleoniden war allerdings eine nicht abzuleugnende Thatſache. Der Kaiſer Napo⸗ leon hatte alle Krondiamanten, ſelbſt den berühmten„Regenten,“ welche das Directorium verſetzt hatte, wieder eingelöſt, er hatte alle Königlichen Schlöſſer reſtauriren und neu meubliren laſſen, und er hatte alles dies nicht aus Staatsmitteln, ſondern von ſeiner eigenen Civilliſte bezahlt. Er hatte außerdem die Domai⸗ nen mit einigen hundert Millionen, den Früchten ſeiner Erobe⸗ rungen, dotirt. Als er zu Fontaineblean abdicirte, fixirte er ſein und das Schickſal ſeiner Familie durch die Erneuerung des Ver⸗ trages vom 11 April 1814. 4
Er entſagte demgemäß allen ſeinen Reichthümern, all' ſei⸗ nem Privat⸗Eigenthum, er cedirte die Krondiamanten an Frank⸗ reich, aber unter der Bedingung, daß ſeiner Familie und ihm eine von ihm fixirte Penſion gezahlt, und das Schickſal einiger ſeiner Braven geſichert werde.— Dieſer Tractat ward von Tal⸗ leyrand im Namen Ludwig XVIII. unterzeichnet und ausgefertigt und von allen Mächten garantirt, aber er ward niemals aus⸗ geführt. Man confiscirte vielmehr alles Hab' und Gut der Kaiſerfamilie und zahlte ihnen ſelbſt nicht die rückſtändigen Pen⸗ ſionen, welche der Schatz ihnen ſchuldete und welche die Depu⸗ tirten⸗Kammer von 1814 als gültig anerkannt und als Staats⸗ ſchuld eingezeichnet hatte.(Voyage en kialie elc. p. 207).
11*


