Teil eines Werkes 
2. Band (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— 162—

Sodann erzählte die Herzogin dem König mit offnem Freimuth, daß ihr Sohn ſie auf ihrer Reiſe begleitet und bei ihr in Paris ſei, daß Louis Napo⸗ leon in ſeiner glühenden Begeiſterung für ſein Va⸗ terland an den König geſchrieben und ihn gebeten habe, ihm zu geſtatten, daß er in die Armee eintrete.

„Senden Sie mir den Brief,“ erwiederte Louis Philipp,„ich werde ihn durch Perrier abholen laſſen, und wenn es die Umſtände erlauben, bin ich gern geneigt, die Wünſche Ihres Sohnes zu erfüllen. Ueber⸗ haupt werden Sie mich ſtets mit Freuden bereit fin⸗ den, Ihnen zu dienen. Ich weiß, daß Sie legitime Reclamationen zu machen haben, und daß Sie ſich vergeblich an die Gerechtigkeit aller früheren Mini⸗ ſterien gewandt haben. Schreiben Sie mir eine Rechnung von Allem, was Frankreich Ihnen ſchul⸗ det, und ſenden Sie mir allein dieſelbe zu. Ich verſtehe mich auf Geſchäfte, und mache mich von jetzt an zu ihrem Chargé d'Affaires.“*)„Der Her⸗ zog von Rovigo,“ fuhr er fort,„hat mir geſagt, daß auch die übrigen Mitglieder der Kaiſerfamilie ſich in gleicher Lage befänden. Ich würde glücklich ſein, wenn ich Ihnen Allen helfen könnte, und ich werde mich beſonders bemühen, etwas für die Prinzeſſin von Montfort thun zu können.“**)

Hortenſe hatte dem König mit ſtrahlenden Angen zugehört. Dieſem wohlwollenden Angeſicht, dieſem freundlichen Lächeln, dieſem Ausdruck herzlicher Gerad⸗ heit des Königs gegenüber, hatte die Herzogin auch nicht das kleinſte Mißtrauen, den geringſten Zweifel.

*) Des Königs eigene Worte. Siehe Voyage en Iialie etc.

p. 206.* *) Die Prinzeſſin von Montfort war die Gemahlin Jero⸗ me’s, die Schweſter des regierenden Königs von Würteinberg und Couſine des Kaiſers von Rußland.