Teil eines Werkes 
2. Band (1858)
Entstehung
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Haupt. Es widerſtrebte ihrem edlen und ſtolzen Sinn, daß ihr Sohn, der Neffe des großen Kaiſers, irgend eine Gunſt von Dem erbitten ſollte, welcher ſich nicht geſcheut hatte, die Revolution für ſich aus⸗ zubeuten, und doch nicht den Muth gehabt hatte, den verbannten Napoleoniden zu ihrem Recht zu verhel⸗ fen, und ihnen ihr Vaterland wieder zu öffnen. In ſeiner glühenden Begierde, Frankreich zu dienen, hatte Louis Napoleon dieſe Beleidigung des Königs der Franzoſen vergeſſen.

„Meine Kinder,“ ſagt Hortenſe in ihren Memoi⸗ ren,„meine Kinder, welche von allen Höfen, ſelbſt von denen, die dem Kaiſer, ihrem Oheim, Alles ver⸗ dankten, ohne Rückſicht und Schonung verfolgt wor⸗ den, hatten ihrem Vaterland ihre ganze Zuneigung bewahrt. Die Augen immer nach Frankreich hinge⸗ wandt, beſchäftigt mit den Inſtitutionen, welche ge⸗ eignet ſein könnten, Frankreich glücklich zu machen, wußten ſie, daß die Völker allein ihre Freunde ſeien, — der Haß der Großen hatte es ſie genugſam ge⸗ lehrt. Sich der Wahl des Volkes mit Reſignation fügen, war ihnen alſo eine Pflicht, aber ſich dem Dienſt Frankreichs zu weihen, ein Herzensbedürfniß. Deshalb hatte mein Sohn an Louis Philippe ge⸗ ſchrieben, deshalb wollte er, um ſeinem Vaterlande doch auf irgend eine Art zu nützen, in die Armee eintreten.“*) 3

Hortenſe mahnte ihm ab von dieſem gewagten Schritte, und als ſie ſah, wie ihren Sohn das be⸗ trübte, wie ſeine Augen ſich mit Thränen füllten, bat ſie ihn, mindeſtens noch zu warten, und zu über⸗ legen, und ſeinen Entſchluß bis zu ihrer Ankunft in Paris zu vertagen.

*) La reine Hortense etc., p. 19.