— 117—
Der General, voll tiefen Mitgefühls für die un⸗ glückliche Frau, welche im Begriff ſtand ihrem pro⸗ ſcribirten Sohn nachzueilen, erfüllte bereitwillig ihre Forderung.
Am andern Tage, dem erſten Tage des Oſterfeſtes, wollte Hortenſe ihre Reiſe antreten, und indem ſie dem öſterreichiſchen General ihre Abſchiedsgrüße ſandte, ließ ſie ihm melden, daß ſie, um in Loretto die Meſſe zu hören, ſehr früh abreiſen würde.
In der Nacht wurden alle zur Abreiſe nothwen⸗ digen Vorbereitungen getroffen, und Louis Napoleon mußte ſich in die Verkleidung eines Livréebedienten ſtecken; ein eben ſolcher Anzug war auch dem Mar⸗ quis Zappi, der ſich bis zu dieſem Tage bei einem Freunde verborgen gehalten, zugeſandt, und in dieſem Coſtüm ſollte er unten am Wagen die Herzogin er⸗ warten.
Endlich dämmerte der Morgen, endlich kam die Stunde der Abreiſe.
Das Poſthorn des Poſtillons ſchmetterte die Straße herauf. Mitten durch die Reihen der ſchla⸗ fenden öſterreichiſchen Soldaten, welche das Vorzim⸗ mer, das man zu paſſiren hatte, bewohnten, ſchritt Hortenſe, gefolgt von ihrem mit Paketen beladenen Sohn in der Livrée, dahin. Niemand als die Wache ſah ſie abreiſen. 3
Der Tag dämmerte kaum herauf. Im erſten Wa⸗ gen ſaß die Herzogin mit ihrer Geſellſchafterin, und vorn auf dem Bock ihr Sohn als Bedienter neben
dem Poſtillon, im zweiten Wagen ihre Kammerfrau mit dem jungen Marquis Zappi hinter ſich.
Als die Sonne herauf kam und dem glänzend ſchönen Oſtertage leuchtete, befanden ſie ſich ſchon weit von Ancona, und in der Kirche zu Loretto knieete Hortenſe an der Seite Louis Napoleons nieder,


