Napoleon als Polizeiminiſter zu erhalten, hatte ſeine Spione überall, er wußte, was in allen Salons von Paris geſprochen ward, er wußte auch, daß man im Salon der Herzogin von St. Leu durch die trübe, glanzloſe Gegenwart hineinſchaute in die hell ſtrah⸗ lende Vergangenheit, und über das kleinliche Jetzt ſich tröſtete mit dem großen, ruhmvollen Einſt! Und Fouché, oder vielmehr der Herzog von Otranto, wußte aus Allem Nutzen zu ziehen. 1
Um den Miniſter Blacas aus ſeiner ſtupiden Verblendung zu wecken und ihn aufmerkfam zu machen auf ſeine übertriebene Unbefangenheit den Dingen gegenüber, die ſich vorbereiteten, ſagte Fouché ihm, daß man im Salon der Herzogin von St. Leu gegen die Regierung conſpirire, daß ſich da alle heim⸗ lichen Bonapartiſten verſammelten, und Pläne mach⸗ ten, um den Kaiſer aus Elba zu befreien. Um aber auch im Fall einer möglichen Rückkehr Napoleons ſich auf der andern Seite ſicher zu ſtellen, eilte der Herzog von Otranto nach St. Leu, um die Herzogin zu warnen, und ſie zu beſchwören, auf ihrer Huth zu ſein, weil ſie von Spähern umringt ſei, und weil man ſie leicht am Hofe verdächtigen könne.
Hortenſe achtete nicht auf ſeine Warnung; ſie hielt die Vorſicht für unnöthig, weil ſie ſich nicht des einzigen Glückes berauben wollte, ihre Freunde zu ſehen und mit ihnen zwanglos und frei ſich un⸗ terhalten zu können.
Nach wie vor alſo blieb der Salon der Herzogin den treuen Freunden offen, welche zugleich die treuen Diener des Kaiſers geweſen, und die Herzöge von Vicenza, von Baſſano, von Friaul, von Raguſa, von der Moskwa mit ihren Gemahlinnen, ſo wie der kühne und feurige Carl von Labedoyère, und der feine Diplomat Graf Regnault de Saint Jean
Königin Hortenſe. II. 1 5


