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8 62— erſte Stelle einnahm. Sie hatte das Amt, den König zu amüſiren, und die finſteren Wolken zu zerſtreuen, welche ſich nur zu oft auf der Stirn Ludwigs zeig⸗ ten, welchen Krankheit, Schwäche und übertriebene Corpulenz an ſeinen Lehnſtuhl feſſelten.
Sie erzählte ihm die chronique scandaleuse des Kaiſerhofes, ſie erinnerte ihn an ſeine alten Jugend⸗ geſchichten, die der König mit ſo viel Witz und Geiſt zu erzählen wußte, und die er ſo gern erzählte, ſie mußte die Briefe des„ſchwarzen Kabinets,“ welche das Brief⸗Bureau dem König aus amtlicher Gefällig⸗ keit mittheilte, prüfen, und die intereſſanten Briefe dem König vörleſen.
Der König pflegte dieſes Brief⸗Bureau in ſeiner geiſtreichen Weiſe dem geheimnißvollen Ohr des Dionys zu Syrakus zu vergleichen, welches die tief⸗ ſten Geheimniſſe in das Ohr des Königs gelangen ließ.
Ludwig XVIII. war übrigens nicht undankbar gegen ſeine königliche Freundin, und er lohnte es ihr auf wahrhaft königliche Weiſe, daß ſie zuweilen die Langeweile aus den Gemächern des Königs zu ver⸗ jagen wußte.
Da er fand, daß die Gräfin Ducayla nicht ſehr in der Lectüre der Bibel bewandert war, ſchenkte er ihr die große Prachtbibel von Royaumont, geziert m löh herrlichen Kupferſtichen nach Gemälden von
aphael
Jeder dieſer Kupferſtiche war ſtatt des Seiden⸗ papiers mit einer neuen, tauſend Franes geltenden Banknote bedeckt.*)—
Ein anderes Mal ſchenkte ihr der König ein
*) Amours et Galanteries des rois de France par Saint Edme. Vol. II. p. 383.— Mémoires d'une femme de qnalns Vol. I. p. 409.


